* Das Leben John Rabes kommt in die Kinos: 1937 tausende Chinesen vor dem Tod bewahrt
* Urenkelin Denise Rabe wohnt bei mir im Haus

Die Welt ist ein Dorf – nicht erst seit dem Internetzeitalter. In den nächsten Tagen kommt ein ungewöhnlicher Film in die Kinos: “John Rabe”. Aus der Zeitung habe ich erfahren, dass die Nachfahren von John Rabe aus Gaggenau kommen – und die Urenkelin direkt unter mir wohnt. Anbei der Artikel aus dem BT.

Gaggenau (BT, 17.3.2009) – Nein, in China seien sie noch nicht gewesen, aber reizvoll wäre eine Reise dorthin schon, sagt Yvonne Rabe und blickt zu ihrem Mann Andreas. Zumal ein Stück Familiengeschichte mit dem Reich der Mitte verbunden ist. Eine Geschichte, die im April in die Kinos kommt und beste Voraussetzungen mitbringt, ein Kassenschlager zu werden: Auf Zelluloid gebannt wurde das Leben von John Rabe, der 1937 während des japanisch-chinesischen Krieges 250000 Menschen in Nanking vor dem Tod bewahrt hat. Das Werk gilt wie berichtet bereits als Favorit für den Deutschen Filmpreis.

“Marx, Engels und Rabe – das sind in China die bekanntesten Deutschen”, sagt Dr. Andreas Rabe, der in Hörden wohnt und in Ottenau eine Arztpraxis betreibt. Er ist der Enkel des in China als Held verehrten John Rabe – der in seiner Heimat aber bislang weitgehend unbekannt geblieben ist. Das dürfte sich mit der Verfilmung unter der Regie des Oscar-Preisträgers Florian Gallenberger bald ändern. “Die Leute zeigen sehr viel Interesse”, weiß Klaus Merkel, Betreiber des Merkur-Film-Centers in Ottenau, der die Werbung für den Film bereits im Vorprogramm laufen hat. Auch wegen der direkten Bezüge nach Gaggenau hofft er, den Film zum Bundesstart am 2. April in seinem Kino zeigen zu können. Doch gebe es nur 120 Kopien des Films, der mit einem Budget von 17 Millionen Euro an Originalschauplätzen in Schanghai und Nanking gedreht worden ist.

“Noch vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking”, sagt Andreas Rabe (57), der seinen 1950 in Berlin verarmt gestorbenen Großvater nicht mehr kennen gelernt hat. Doch sei China in der Familie immer lebendig gewesen. Nicht nur wegen der noch erhaltenen Möbelstücke. Sondern auch weil sein Vater Otto, der einst als Gynäkologe in Gaggenau “oftmals mit dem Rad zu den Hausgeburten gefahren ist”, in China das Licht der Welt erblickt und die ersten Lebensjahre dort verbracht hat, sagt Yvonne Rabe: “Unseren Töchtern hat er oft traditionelle chinesische Fingerspiele vorgeführt oder Wörter übersetzt. Das war faszinierend.”

Die Familie Rabe durfte den Film bereits sehen – zur Berlinale waren die Nachfahren des Titelhelden in den Friedrichstadtpalast eingeladen: “Das Anschauen war etwas anstrengend”, erinnert sich Andres Rabe, der sonst kein großer Kino-Gänger sei: Die Fassung war noch nicht synchronisiert, so dass durcheinander deutsch, englisch und chinesisch gesprochen wurde. Umso mehr freut er sich auf den offiziellen Filmstart. Und zur Premiere wird er im Ottenauer Kino auch ein paar einleitende Worte zur Entstehung des Films sprechen.

Seine Frau ist “begeistert” von der Umsetzung und berichtet von der “After-Party”, wo sie auch die Schauspieler – deutsche und internationale Hochkaräter – gesehen und zum Teil auch kennen gelernt haben. Ulrich Tukur verkörpert John Rabe. “Die Ähnlichkeit ist verblüffend”, sagt Andreas Rabe und zeigt ein altes Familienfoto zum Vergleich. “Man muss sich immer bewusst machen: Das, was wir da sehen, ist unsere Familiengeschichte”, so Yvonne Rabe, die die Zusammenführung von Geschichte und Emotionen im Film als “genial gelungen” bezeichnet.

“John Rabe kann in der Tat als leuchtendes Beispiel für Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit und Menschlichkeit für die Jugend sein”: Das schrieb Erwin Wickert (Diplomat, Asien-Experte und Vater des Ex-Tagesthemen-Moderators Ulrich Wickert), der die Tagebücher John Rabes 1997 veröffentlicht hat, einst an Pfarrer Willy Muley. Seither trägt der Pfadfinderstamm in Ottenau den Namen “John Rabe”.

Yvonne und Andreas Rabe schauen sich den Film zur Premiere in Ottenau an: Und vielleicht steht dann auch China als nächstes Reiseziel fest – auf den Spuren der Familie.